Freitag, 12. März 2010

Regen...

Freunde der Höflichkeit,

manchmal muss man sich sogar in Australien fragen, wo sich diese versteckt hat.
Meine Reise hat mich am Samstag nach Hervey Bay verschlagen. Wer dies auf der Landkarte mitverfolgen will, bitte einmal mit dem Finger von Noosa aus (nördlich von Brisbane^^) noch ein Stückchen weiter hochrutschen. Wenn man jetzt noch ein klein wenig nach rechts oder Osten rutscht, landet man auf der größten Sandinsel der Welt: Fraser Island. Aber das nur am Rande.

Nach stundenlanger Fahrt durch Regen und überflutete Straßen (die schlimmste Flut seit 16 Jahren) musste ich am Busterminal feststellen, dass alle Hostels einen Kleinbus vorgefahren hatten, um ihre Gäste abzuholen. Alle, bis auf meins. Nach einem Anruf im Mango Eco Tourist Hostel wollte der Besitzer Phill allerdings sofort losfahren und mich aufsammeln, auf einem der anderen Hostelparkplätze. Das Mango ist nämlich so klein, es hat nicht mal einen eigenen Parkplatz. Also musste ich nochmal warten.
Zum Glück hatte ich Gesellschaft von 2 Mädels, die auch auf ihren Pick-up warteten (wobei sie, glaube ich, den Bus vorher bloß nicht erkannt haben). Laut Auskunft von Phill hatte sein Wagen das Hostelemblem auf dem Heck, ich sollte bitte danach Ausschau halten. Die Autos kamen und fuhren wieder davon, doch ich sah keinen weiteren Minibus, auf welchem das Wort „Mango“ zu sehen war. Plötzlich brach ein unglaublicher Krach los, jemand hupte wie verrückt und fuhr mit seinem Auto Rückwerts auf den Gehweg, stieg aus und schrie „Jessica! What’s up???“ Da erkannte ich erst, dass etwas auf dem Auto geschrieben war. Ein kleiner Sticker, etwa in der Größe eines Zeichenblocks (Din A 2? Keine Ahnung) wies auf das Hostel hin. Mit Sack und Pack beladen marschierte ich auf das Auto zu und sagte nur verdutzt „Sorry, ich konnte das Schild nicht sehen!“ Darauf musste ich mir erstmal ein schlechtgelauntes „Ich habe dir gesagt wo ich dich abhole“ und ein noch schlechter gelauntes „Nein, auch dein Daypack muss in den Kofferraum, da kannste du es dann mit deinem Leben verteidigen“ anhören.
Hallo, wie bitte??? dachte ich mir, Es regnet, mein Rucksack trieft schon jetzt (das Wasser der überlaufenen Straßen war nämlich in den Busgepäckraum gelaufen und jeder Rucksack konnte schwimmen lernen) und wo ist bitte grad das Problem? Wenn man nicht mal 5 Minuten auf einem fast leeren Parkplatz stehen bleiben will, weil man was-weiß-ich zu tun hat, warum steigt man nicht aus und fragt einfach nach, wer zu diesem Hostel will? Ist doch eigentlich nicht so schwer.
Auf der kurzen Fahrt ins Hostel konnte ich mir dann noch Tiraden darüber anhören, wie schlecht das Wetter im Norden erst noch würde und mich belehren lassen, dass ich auf keinen Fall schon Hinweisschilder auf Marine Stingers gesehen haben könnte. Diese würden ja erst viel weiter oben sein, im Ozean. Ja wie jetzt? Klar habe ich solche Schilder gesehen, die sind nicht einfach meiner Fantasie entsprungen und haben sich selbstständig am Strand aufgebaut. Und was heißt bitteschön, nur oben im Ozean? Von was ist Australien denn sonst noch umgeben, von einer Kakaoschüssel, die sich Blau verkleidet hat und so tut als wäre sie Wasser? Unfassbar. Aber man sollte sich hier an den guten alten Grundsatz halten: auf der einen Seite rein, auf der anderen wieder raus.
Die Frau dieses eigenartigen Menschen ist übrigens das genaue Gegenteil. Eine sehr entspannte und überaus freundliche Österreicherin, mit der man auch mal ein Schwätzchen halten kann. Sie hat mir 2 verschiedene Touren für Fraser Island empfohlen, von welchen ich mir nun eine ausgesucht habe und die morgen stattfinden wird. Laut Aussage ihres Mannes ist die Tour aber wohl Zitat „schlecht“, aus welchem Grund ich sie erst recht genommen habe ;-)
Ja Freunde, versucht niemals mir euren Willen aufzudrängen, das funktioniert nicht bei mir!
Hervey Bay selbst ist eher nicht zu empfehlen. Die Stadt ist grottenlangweilig und hat das Flair eines Industriegebiets. Der Strand ist wirklich schön und durch den Regen der letzten Tage konnte ich einen schönen Spaziergang unternehmen ohne dabei zu versanden. Überall lagen kleine Steine rum, wie ich zuerst dachte. Bei genauerem Betrachten stellten sich diese aber als Korallenstücke heraus, die wohl durch die Stürme abgebrochen und an den Strand gespült worden waren. Wirklich faszinierend. Aber leider kann man sich die bunten Dinger ja nicht einfach als Souvenir in die Hostentasche stecken. Wer nicht weiß warum, googelt bitte mal „Washingtoner Artenschutzabkommen“ und schaut sich auf der Seite des Deutschen Zoll um. Man will ja nicht aus dem Urlaub wiederkommen und im Gefängnis landen. Jedenfalls ich nicht.

In diesem Sinne,
frohes Muschelketten basteln!

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