Freitag, 12. März 2010

Fraser Island

Freunde der sieben Weltmeere,

„eine Bootsfahrt die ist lustig, eine Bootsfahrt die ist schön“ konnte ich Dienstag fröhlich vor mir her pfeifen, während die kleine Fähre vom Hafen nach Fraser Island ablegte. Die 30 minütige Fahrt war wunderbar, blauer Himmel und ruhige See nach wochenlangem Regen. Nicht mal die ansässigen Krokodile haben sich an der Flussmündung Sandy Rivers blicken lassen. Nicht, das mich das groß gestört hätte. Nach eingehender Beobachtung habe ich auch direkt ein paar interessante Persönlichkeiten angetroffen. Ein Paar auf Hochzeitsreise (Himmel, die waren vielleicht furchtbar), 3 nörgelnde Abiturienten und Elli und Brigitte. Ich vermute, die beiden kennen sich seit der Grundschule und fahren jedes Jahr gemeinsam in den Urlaub um sich von ihren Familien zu entspannen. Oder vom anstrengenden Singleleben, wer weiß.
Auf der Insel angekommen wurden wir als allererstes von Sandfliegen und Mücken belagert (von denen es hier definitiv überall zu viele gibt). Alle Passagiere teilten sich dann in 2 Gruppen auf, rot und blau, deren Einteilung ich als Hans-guck-in-die-Luft auf wundersame Weise verpasst habe. So stand ich erstmal etwas verwirrt ohne entsprechendes Kärtchen da und musste warten, in welchem Bus noch ein Plätzchen für mich übrig blieb. Leider in jenem, in den die ganzen Paare und Hochzeitsreisende gesteckt wurden. Super.
Die erste Fahrt mit unserem riesigen Allrad-Bus führte quer durch den Regenwald (von dem es übrigens 3 verschiedene Arten auf der Insel gibt) auf den unglaublichsten Sandstrecken, über die ich jemals gefahren bin. Achterbahn ist nichts dagegen, wer einen schwachen Magen hat, ist hier nicht besonders gut aufgehoben. Doch alles Leid hat ein Ende und so erreichten wir den 75-Mile Beach, der sich an der Ostküste von Norden nach Süden entlang zieht und, man glaubt es kaum, ein offizieller Highway mit einer Geschwindigkeitsregelung von 80 km/h ist. Wir brausten also über den Sand, am aufgewühlten Meer entlang und bestaunten die Schönheit dieser Strecke.
Erster Stopp: Eli Creek, eine kleine Flussmündung mit glasklarem, herrlich kühlen Wasser. Hier konnten wir unsere Füße entspannen und ein bisschen im weißen Sand spazieren gehen. Von hier starteten auch die kleinen Sightseeing Flugzeuge, die einem direkt über den Kopf fliegen. Das ist echt witzig, man kommt sich vor wie im Film.
Nächste Halt war das Wrack der Maheno, einem Schiff das schon im 2. Weltkrieg als schwimmendes Krankenhaus gedient. Eindrucksvoll, vor allem wenn man bedenkt, dass heute nur noch ein Teil des Wracks übrig ist, da Salz und Seeluft ihren Teil zur Korrosion beitragen. In ca. 30 Jahren wird wohl nur noch die Hälfte von dem da sein, was man heute besichtigen kann.
Letzte Fotosession für den Vormittag waren die Pinnacles mit dem farbigen Sand. Hier sind ganze 72 veschiedene Farben im Sand vorhanden, für das Auge erscheinen diese aber nur als 5 bis 6 verschieden. Fand ich jetzt nicht so spannend, ein paar Felsen, die verschiedene Schichten hatten.
Zum Lunch ging es dann retour zum Eurong Beach Resort, ein hässlicher Kasten aus den 60er oder 70er Jahren. Besonders gut war das Essen hier nicht, der Orangesaft war farbiges Zuckerwasser und die Angestellten nicht sehr freundlich. Trotzdem hatte ich meinen Spaß, in dem ich den schon erwähnten nörgelnden Abiturienten gegenübersaß und so getan hab, als würde ich kein Wort Deutsch verstehen. Man erfährt doch so einiges über die Leute, wenn man sie in diesem Glauben lässt^^
Nach der Verköstigung wurde ich von einem australischen Rentnerehepaar von der Gold Coast an ihren Tisch eingeladen und habe mich über das Wetter in Europa und meine bisher 6 monatige Reise unterhalten. Das könnte ich mir zu Hause nicht vorstellen, dass sich die älteren Leute dafür interessieren, was eine X-beliebige Backpackerin so alles erlebt hat. Da sieht man wieder mal, dass hier alles ein wenig anders ist.
Im Anschluss an die 1 Stündige Pause wurde die Central Station besucht, wieso die so heißt, als würden hier die Überlandzüge ankommen, weiß ich nicht. Hier kann man einen kleinen Spaziergang durch den tropischen Regenwald machen, Königsfarne bewundern und sich von Dingos anfallen lassen. Ein solcher kreuzte hier unseren Weg und wie eigentlich jeder, der eine Fraser Island Tour macht, wissen sollte, sind Dingos ziemlich angriffslustig und gefährlich. Dieser war zwar alleine, aber man sollte nichts riskieren. Unser Tourguide übernahm das Kommando, verlangte, dass alle kleinen Kinder in die Mitte der Gruppe gestellt wurden und sich alle ruhig verhielten. Trotzdem, ein schwarzes Schaf muss es natürlich überall geben. In diesem Fall war es die liebe Brigitte. Sie streckte die Hand aus und wollte das niedliche Tierchen heranlocken und streicheln. Das der Dingo ihr in diesem Fall in die Hand gebissen hätte, hat sie wohl nicht bedacht. Der Tourguide fand das ganze auch nicht sehr spaßig und schritt schnellstmöglich ein um den Dingo zu verscheuchen.
Die ganze Aufregung musste nun aber Platz machen für das Highlight des Tages: Lake McKanzie. Ein wunderschöner Regenwassersee mitten auf der Insel, dessen Grund von Kristallklar über Azur bis Tiefblau sichtbar ist. Der Sand ist weiß wie Schnee. Glaubt mir, kein Strand dieser Welt kann da mithalten. Jedenfalls nicht diese, die ich bisher gesehen habe. Aber Sand gehört ja eh nicht mehr zu meinen Lieblingsdingen auf dieser Welt. Den Rest des Tages konnten wir entspannt mit schwimmen und sonnen verbringen. Leider war es relativ überfüllt, da anscheinend alle Touren gleichzeitig hier Halt machen. Es war ein bisschen wie auf Malle am Strand, bloß ohne Alkohol und Flirtmauer.
Auf der Fährrückfahrt habe ich dann einen älteren irischen Herren kennengelernt, der mir von Gott und der Welt berichtet hat. Dies kam mir aber ganz gelegen, sonst wäre ich wahrscheinlich auf der Stellte eingeschlafen.
So ging ein schöner und erlebnisreicher Tag zuende.

In diesem Sinne,
viele Grüße aus dem Paradies!

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