Montag, 15. Februar 2010

Neue Stadt, neues Glück

Freunde der weiten Welt,


lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Das Karussell der Buslinien hat mich mittlerweile in den nächsten Großstadtdschungel verschlagen: Brisbane, Hauptstadt des Sonnenstaates Queensland. Nach der langen und auslaugenden Reise von Sydney hierher, habe ich nun wieder einen längeren Aufenthalt von 2 Wochen vor mir, von denen eine allerdings schon um ist.

Was gibt es Sehenswertes in dieser Stadt? Zuerst einmal muss man wissen, Brisbane liegt nicht am Meer, wie man leicht denken könnte (habe ich aber vorher auch nicht gewusst). Von daher ist es relativ schwierig, den Temperaturen zu entfliehen. Man hat einerseits die Möglichkeit, sich in seinem klimatisierten Hostelzimmer zu verkriechen und (vergeblicherweise) zu hoffen, dass es bald vorüber ist. Oder man entdeckt auf einer kostenlosen Stadtführung, dass es im südlichen Teil, hinterm Fluss und den sieben Bergen bei den sieben Zwergen, einen Stadtstrand gibt. Gesponsert von der hiesigen Eisfirma Streets (auf Deutsch: Langnese) wurde innerhalb des alten Expogeländes ein Freibadlandschaft mit Strand, Palmen und Strand-/Bademeistern angelegt, die keine Wünsche offen lässt. Warum die Bademeister allerdings Surfboards zur Rettung ertrinkender haben, ist mir schleierhaft. Und ob sie vielleicht Paul heißen, auch. Man kann sich also in aller Ruhe einen Sonnenbrand holen, ohne Riesenwellen gefahrlos schwimmen und braucht sich nicht um giftige Quallen, Haie oder Krokodile sorgen.

Von denen gibt es hier nämlich mehr als genug. Ins Meer gehe ich seit meinem letzten Stopp Surfers Paradise ab sofort nicht mehr. Toxische Glibberfische, deren Tentakeln ein so schmerzhaftes Gift abgeben, dass man allein durch die Schockreaktion des eigenen Körpers stirbt (wenn man nicht zeitnah vom Surfboard-Strandwächter gerettet wird), nein danke. Dazu kommt ein unberechenbarer Sog (wirklich nicht zu unterschätzen), von den immer wiederkehrenden Haisichtungen ganz zu schweigen.

Neben diesen offensichtlichen Tiefseemonstern kann man im ansässigen „Queensland Museum“ weitere Kuscheltiere bewundern. Hübsch aufgereiht in Schaukästen bewundert man hier die buntesten Schmetterlinge, Riesenmotten, Käfer, Spinnen, Kakerlaken und einiges mehr. Wer mich kennt weiß, dass ich schon bei toten Vertretern der zuletzt genannten Arten Herzrasen und Ekelschütteln bekomme. Doch das sollte nicht alles sein. Nach dem ich meine Runde durch Saurierskelette und Aboriginalkultur gedreht hatte, kam ich in der Sektion der einheimischen Tierarten an. Weitere Schaukästen mit liebenswerten Kreaturen lachten mich an und wollten bewundert werden. Mittendrin eine schmale Glasvitrine mit ein paar grünen Zweigen. „Komisch“, hab ich mir gedacht, „wozu stellen die denn hier eine zu groß geraten Blumenvase hin?“ Und dann sah ich es, in meinen Augen das blanke Grauen und die Beinmuskulatur zum Sprint bereit angespannt, das Schild welches verkündete: Be aware, living animals! 3 Mal dürft ihr raten, was mich nun herausfordernd anstarrte. Da waren plötzlich keine grünen Blätter mehr oder naja, nur noch wenige. Der Großteil des Geästs bestand aus riesigen Stabheuschrecken, die nur auf diesen einen Moment der Erkenntnis gewartet hatten um sich alle gleichzeitig in Bewegung zu versetzten. Grün, braun, jede Farbe dazwischen… es war furchtbar. Die Schaukästen mit den toten Tieren waren daraufhin gar nicht mehr so schlimm anzusehen. Nur eine tote Spinne ist eine gute Spinne, dies lässt sich 1 zu 1 auf Stabheuschrecken übertragen.

Wie gut, dass es im nächsten Halt namens Art Gallery nur alte Meister und zeitgenössische australische Kunst zu sehen gab, womit ich auf der sicheren Seite war. Wobei ein Gemälde einen Nazi-Aufmarsch darstellte, was mich mindestens so entsetzt hat wie die Monster.

In diesem Sinne,

sweet dreams!




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